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Vereinte Nationen

Als Mitglied einer internationalen Kongregation sehen wir uns verpflichtet und in der Lage,
eine weltweite Sicht und ein umfassendes Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln.
Die Internationalität fordert uns heraus, unserer zerrissenen Welt
ein Zeugnis der Einheit zu geben,
bisher unbekannte Wege zu entdecken, ...,
und neue Möglichkeiten zu suchen für unseren Dienst in der Weltkirche.
ISG K 25

Die Einladung unseres Generalrates zu einer mehrwöchigen Teilnahme an einer vertieften kulturellen Erfahrung bei den Vereinten Nationen (UN) nahm ich gern an. Wie sehr sich meine Sicht auf die Welt verändern würde, konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht ahnen.

Ein wesentliches Merkmal für die Arbeit bei den UN ist die Tatsache, dass Vieles ineinander greift. Viele Gruppen arbeiten zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Themen, die aber - so unterschiedlich sie auch oft sind - dennoch miteinander verknüpft sind.

Während meines dreiwöchigen Aufenthaltes fand auch die 13. Sitzung der Offenen Arbeitsgruppe (Open Working Group - OWG) statt, in der der Entwurf der neuen Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals - SDGs) überarbeitet wurde. Dieser Entwurf wird der Generalversammlung der UN im September 2014 zur weiteren Bearbeitung und evtl. Abstimmung vorgelegt.

Sitzungssaal
 

Beeindruckend war in diesen Sitzungen das spürbare Bemühen der Vertreter der 193 UN-Mit-gliedsstaaten, die Meinungen aller zu tolerieren und zu respektieren, auch wenn die Interessen z.T. sehr divergierten.

So ging es z.B. in einer Sitzung um die frühe und erzwungene Heirat junger Mädchen, die in vielen Ländern - nach europäischem Verständnis - oft im Kindesalter dazu gezwungen werden. Während viele Länder hier durchaus eine exakte Zahl für das Mindestalter einer Heirat einsetzen wollten, war dies für andere Länder unmöglich. Um mit diesem Entwurf weiter arbeiten zu können, musste hier - und an vielen anderen Stellen - ein Kompromiss in der Formulierung gefunden werden.

Manche Forderungen in diesen Sitzungen waren gut nachvollziehbar, andere weniger gut. So ging es auch um die Frage des Hochschulzugangs für alle. Dass es diese Möglichkeit geben muss, ist klar. Es bleibt für mich aber die Frage, ob nicht jeder eine Bildung erhalten sollte, die den jeweiligen Fähigkeiten entspricht.

Parallel zu dieser großen OWG gab es viele kleinere Arbeitsgruppen, die sich mit verschiedenen Themen aus- oder für verschiedene Personengruppen einsetzen, um diese unterschiedlichen Anliegen in die neuen Entwicklungsziele einzubringen.

So traf sich gleich am ersten Tag meines Aufenthaltes eine Gruppe, die sich mit den Anliegen und Bedürfnissen der älteren Menschen beschäftigt und darum bemüht ist, dass diese Anliegen in die neuen Entwicklungsziele 2015 einfließen. In dieser Sitzung wurde - überraschend für mich - deutlich, dass Deutschland in der Sorge für die älteren Menschen hinter Norwegen und Schweden an dritter Stelle liegt.

Typisch für die Arbeit der UN: Teilnehmer aus allen Kulturen und aus allen Altersgruppen, die älteste Teilnehmerin in dieser Gruppe war immerhin fast 90 Jahre alt.

Gruppe Altersgemaess          Altersgemaess

 
Schw. Eileen

In einer Expertengruppe ging es um die Frage der Sozialen Entwicklung. Schwester Eileen Reilly, unsere Vertreterin bei den UN sprach hier u.a. über soziale Verantwortung und nannte als ein beeindruckendes Beispiel die Abstimmung der Kinder im Familienzentrum Brede. Sie durften die Neugestaltung ihres Spielplatzes mit planen. Sie plädierte am Ende: Wenn Kinder unter 6 Jahren Verantwortung für ihr Lebensumfeld übernehmen können, sind dann nicht auch Erwachsene zur Verantwortung fähig?

Obwohl in dieser Gruppe auch UN-Vertreter in Genf und Brüssel zugeschaltet waren, war die Arbeit in dieser Gruppe  geprägt vom intensiven und persönlichen Austausch.

Neben all der intensiven Arbeit gab es auch Anlass zum Feiern. So fand z.B. Ende Juli der erste internationale Tag gegen Menschenhandel statt, der bei den UN entsprechend gewürdigt wurde.

Zwei jungen Musikern, die selbst vom Menschenhandel betroffen waren, gelang es, ihre Gefühle und Erfahrungen in exzellenter Weise musikalisch zum Ausdruck zu bringen.

Menschenhandel
 

Die sehr persönlichen Erfahrungen, v.a. junger Frauen, waren sehr beeindruckend und führten deutlich vor Augen, dass Menschenhandel ein großes Problem unserer heutigen Zeit ist und dass rund 130 UN-Mitgliedstaaten davon betroffen sind. Menschenhandel zeigt sich heute mehr denn je in der Zwangsprostitution, aber auch im Organhandel, Kindersoldaten u.v.m.

Besondere Höhepunkte waren die Besuche in verschiedenen Botschaften. Während sonst häufig die Vertreter eher am Rande von Sitzungen Zeit haben für Gespräche, wurden Schw. Eileen und weitere Vertreterinnen der Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in die Botschaften von Mexiko, Brasilien und Deutschland eingeladen.

Schwerpunkte dieser Gespräche waren die Rechte von Mädchen und Frauen. In diesen Gesprächen wurde mir sehr bewusst, dass Gemeinschaft etwas bewirken kann und dass auch die verschiedenen UN-Mitgliedsstaaten auf die Mitarbeit der NGOs angewiesen sind.

 
Botschaft
Besuch in der brasilianischen Botschaft, darunter auch zwei Studentinnen,
die in der Kommission für die Rechte der Mädchen sehr engagiert mitarbeiten.
 

Neben den Erfahrungen bei den UN haben die Besuche verschiedener historischer Plätze geholfen, tiefer in die Internationalität einzutauchen.
So erinnerte der Besuch auf Ellis Island und im Tenement Museum an die Situation der zahlreichen Einwanderer zu Beginn des letzten Jahrhunderts, die tägliche Fahrt im Subtrain ließ die Probleme heutiger Immigranten nur erahnen und der Besuch der St. Paul's Chapel machte noch einmal die  Tragik des Terroraktes auf das World Trade Center im Jahre 2001 deutlich.

Die Diskussionen bei den UN, der Blick in die Geschichte der USA und der Einblick in die gesellschaftliche Situation der USA lösten Fragen aus, die nur schwer zu beantworten sind.
Was bleibt, ist die Gewissheit, dass wir Wege suchen müssen, um ein 'Zeugnis der Einheit zu geben in unserer zerrissenen Welt' (vgl. ISG K 25).